Von den Stimmen
in meinem Kopf
Schreiben beginnt nicht mit dem Wunsch nach Veröffentlichung.
Geschrieben habe ich eigentlich schon in der Schulzeit.
Nicht mit dem Plan, Autor zu werden – sondern aus purer Lust an skurrilen Situationen.
Einer meiner Lehrer las uns Kurzgeschichten von Ephraim Kishon vor. Diese Mischung aus Alltagsbeobachtung, Ironie und leiser Absurdität hat mich fasziniert. Also begann ich selbst, kleine Geschichten zu erfinden. Einfach so. Ohne Ambition. Ohne Publikum.
1990 kam dann ein anderer Moment hinzu. Ich las "Drachendämmerung" von Anne McCaffrey – den letzten Band einer großen Reihe. Für mich hörte die Geschichte viel zu unvermittelt auf.
Also tat ich, was ich heute vermutlich „Fanfiction“ nennen würde:
Ich schrieb sie weiter.
Damals war das Internet noch Zukunftsmusik, von Selfpublishing ganz zu schweigen. Veröffentlichen war kein Thema. Schreiben war ein innerer Prozess, kein äußerer Anspruch.
Es folgten immer wieder Texte – Fragmente, Ideen, Anfänge.
Aber kein fertiges Manuskript.
Mehr über meine phantastischen Welten erfährst du hier
Erst 2010 änderte sich etwas. Ich erfuhr von Amazon Kindle Direct Publishing.
Plötzlich gab es eine reale Möglichkeit, ein Buch als Unbekannter zu veröffentlichen.
Kein Verlag. Kein Gatekeeper.
Also sagte ich mir:
Wenn das jetzt möglich ist, dann sollte ich wohl endlich einmal etwas wirklich fertig machen.
2012 erschien mein Debütroman.
Nicht, weil ich plötzlich mutiger war.
Sondern weil der Weg offenstand.
Der Moment, in dem es ernst wurde.
Ich schreibe, was ich selbst lesen würde.
Ich habe immer gern gelesen. Sehr gern.
Science-Fiction hat mich schon als Kind begleitet. Hörspiele ebenso.
Fantasy kam später hinzu – aber fantastische Geschichten waren es immer, die mich am stärksten fasziniert haben.
Mein Vater versuchte durchaus, mich für Autoren wie Hemingway oder Bukowski zu begeistern. Aber meine Begeisterung gehörte anderen Welten. Welten mit Möglichkeiten. Mit Alternativen. Mit anderen Regeln.
Vielleicht schreibe ich deshalb genau das, was ich selbst lesen möchte.
Wenn die Vorstellung für dich interessant ist, dass Drachen existieren und wir Menschen aufgrund eines magischen Paradoxons einerseits wissen, dass es sie gibt, es gleichzeitig aber für unmöglich halten, dann schau gern hier
Mein erstes Pseudonym entstand aus einer pragmatischen Überlegung.
2012 war ich nicht sicher, ob Fantasy mit einem sehr deutsch klingenden Namen wahrgenommen werden würde. Also übersetzte ich meinen Nachnamen „Raabe“ ins Englische.
Später kam eine romantische Komödie hinzu – und ich merkte schnell:
Das passt nicht unter denselben Namen.
Also folgte eine zweite Übersetzung – diesmal ins Französische. Und dem Genre entsprechend in einer weiblich klingenden Form: Christine Corbeau.
Heute sind meine Namen eine bewusste Struktur:
Ein Name steht für Phantastik
Einer für Liebe
Einer für Wirklichkeit
Der Name signalisiert bereits die Richtung.
Leser:innen wissen, was sie erwartet.
Nicht als Maske – sondern als klare Ordnung.
Wenn du es romantischer magst, dann findest du hier meine Liebesromane
Warum mehrere Namen?
Wie meine Geschichten entstehen
Oft beginnt alles mit einer Prämisse.
Manchmal auch mit einem Bild – häufig mit einem klaren Showdown, der bereits vor mir steht.
Ich muss wissen, wohin es grob geht.
Woher kommen die Figuren? Wo müssen oder wollen sie hin?
Was dazwischen geschieht, darf sich entwickeln. Und es tut das auch. Dinge verändern sich im Schreiben. Figuren widersprechen mir. Wendungen entstehen, die ich nicht geplant hatte.
Aber eines brauche ich immer:
Die Namen der Hauptfiguren.
Ohne Namen kann ich nicht anfangen.
Namen haben für mich eine eigene Magie. Sie tragen Klang, Geschichte, Energie.
Erst wenn ich sie kenne, kann ich schreiben.
Mit der Autorin Carin Müller habe ich mich häufig über das Thema Plotten unterhalten. Für mich funktioniert eine Mischung am besten: eine tragende Grundstruktur – und dann entdeckendes Schreiben.
Plan und Offenheit.
Ich bin Wirtskörper für einige Autor:innen-Persönlichkeiten, aber auch dieser Wirtskörper hat Geschichten in sich. Meist eher voll düsterem Realismus.
Schreiben und Vorlesen sind bei mir nahezu gleichzeitig gewachsen.
Wenn ein Kapitel fertig war, habe ich es laut gelesen.
Zur Kontrolle. Um Rhythmus und Brüche zu hören. Um zu spüren, wo etwas noch nicht trägt.
Meine ersten Zuhörer:innen waren meine Kinder – später auch meine Freundin. Aus dem pragmatischen Kontrolllesen wurde etwas anderes: Freude.
Als mir immer wieder gesagt wurde, dass ich gut vorlesen könne, begann ich selbst, das Vorlesen ernst zu nehmen.
Und irgendwann wurde aus dem privaten Lesen Öffentlichkeit.
Zu meinen Stimm-Projekten kommst du hier ➽ Meine Stimme
Schreiben und Stimme
Nähe auf der Parkbank
Bei einem Lesefest im Berliner Tiergarten durfte ich als Autor teilnehmen. Das Konzept war einfach – und genial: Lesungen auf Parkbänken. Nahbar. Ohne Bühne. Ohne Distanz.
Diese Nähe hat mich beeindruckt.
Gemeinsam mit meiner Freundin wollten wir dieses Gefühl weitertragen. In unserer Wohnumgebung – rund um die Parks am Müggelsee – entstand ein von diesem Konzept inspiriertes Lesefest.
Die Parkbank schafft etwas Besonderes:
Ein Mensch bleibt stehen. Hört zu. Vielleicht nur kurz. Vielleicht länger.
Und manchmal passiert genau dort etwas, das in einer Buchhandlung nie passiert wäre: Jemand hört eine Geschichte, wird neugierig – und bestellt das Buch. Oder lädt mich ein.
Literatur ohne Schwelle.
Ohne Hemmung.
Auf Augenhöhe.
Einfach beim Spazierengehen Geschichten lauschen klingt interessant?
Ob es in meinen Büchern wiederkehrende Motive gibt?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht.
Das müssten andere analysieren.
Aber wenn ich eine Sache benennen müsste, die meine Geschichten tragen soll, dann wäre es vielleicht diese:
Hoffnung.
Nicht naiv.
Nicht blind.
Sondern die leise Hoffnung,
dass Menschen vielleicht doch nicht so bescheuert sind,
wie es die Weltlage manchmal vermuten lässt.
Wiederkehrende Motive?
Warum das alles?
Ich schreibe nicht, um zu erklären.
Nicht, um zu belehren.
Ich schreibe, weil Geschichten Möglichkeiten öffnen.
Weil sie zeigen, dass Dinge anders verlaufen könnten.
Weil sie Figuren durch Entscheidungen führen.
Und vielleicht auch, weil irgendwo da draußen jemand sitzt,
der ein Buch liest und denkt:
Ja. Genau das habe ich gebraucht.







