OFFF

Climate Science Fiction unter der Prämisse, dass man Menschen digitalisieren kann.

Leseprobe

OFFF - Die Droge könntest du sein

C. A. Raaven

Science Fiction / Climate Fiction

Spherope-Trilogie, Teil 1

ab 16 Jahren

1 . Auflage, 2023

TB 442 Seiten

ISBN 978-3985957415

"Und jetzt schau mal, was passiert, wenn ich dies hier tue. wenn ich dich richtig einschätze, wird es dir gefallen.
Damit schiebt er einen Speicherkristall in den Schlitz.

Der Effekt tritt augenblicklich ein.

Während die ersten Auswirkungen durch meinen Körper fegen, wird mir klar, dass diese Entscheidung ein Fehler war."

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Erst einmal zur Leseprobe

Ach, und übrigens: Wenn du das Taschenbuch lieber im Buchladen bei dir um die Ecke bestellen möchtest - kein Problem. Mit der ISBN oben in der Übersicht sollte das klappen.

Genf, 2121. Die Welt ist aufgeteilt: in Sphären aus Metall und Polymer, in Analoge und Digitale, in solche mit Zugang — und alle anderen.


MAXX lebt mittendrin. Er funktioniert. Er fragt nicht zu viel. Bis er eines Morgens mit einem Stoff im Blut aufwacht, dessen Name er nicht kennt, dessen Wirkung ihn fast umbringt — und dessen Existenz offenbar ein Geheimnis ist, das mächtige Menschen unter allen Umständen schützen wollen.


Auf der anderen Seite dieser Welt — einer Seite, die aus Daten besteht, aus ewigem Licht und simulierter Idylle — vermisst MJU ihre Großmutter. Einfach so. Über Nacht. Als hätte jemand sie einfach abgeschaltet.


Zwei Menschen. Zwei Welten. Zwei Fäden, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.


Bis sie es doch haben.


*OFFF* erzählt von einer Substanz, die Grenzen auflöst — die zwischen analog und digital, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, zwischen dem, was eine Person ausmacht, und dem, was von ihr übrig bleibt, wenn jemand anderes entscheidet, was sie wert ist. Es ist die Geschichte zweier Menschen, die herausfinden müssen, wem sie vertrauen können.


Und ob sie einander vertrauen können.

Leseprobe

Ausschnitte aus drei Szenen der Geschichte.


SZENE 1

Nicht ganz nüchtern (Teil)


ANALOGE WELT  ·  PRIMÄRE SPHÄRE

Büro der Federal Urbanisation Administration Genf-Plainpalais

Zeitindex 08052121_0900 – 1100

MAXX


Oh verdammt, irgendeine dieser Substanzen wird dich nochmal umbringen.

Ich reibe mir den schmerzenden Schädel und schüttle den Kopf, bis meine Sicht klar wird. Natürlich muss ich mir das Zeug nicht reinziehen. Nur manchmal, in der Nacht. Wenn diese beschissenen Träume mich nicht loslassen und nicht mal ein paar der Filme aus der guten alten Zeit wirken, wo Männer noch Männer waren. Dann geht einfach nix über ein Büro, das 24/7 offen ist – und den einen oder anderen Kick.

Mein Blick fällt auf das halbvolle Glas, das auf der Ablagefläche des Workseats steht. In der bernsteinfarbenen Flüssigkeit schwimmt etwas Undefinierbares und zieht kaum sichtbare Schlieren durch die ölige Brühe.

Ach, Scheiß drauf. Wenn schon in die Hölle, dann wenigstens in die erste Reihe.

Ich greife nach dem Glas, während ich das Wort in meinem Geist hin und her bewege.

Hölle ... was für ein seltsamer Begriff.

Heute ist das viel einfacher. Himmel und Hölle liegen direkt nebeneinander auf der Erde. Entweder man ist in einer Sphäre – oder eben draußen. Und selbst bei der Tertiären oder Quartären Sphäre wäre ich mir nicht so sicher.

Beim Greifen nach dem Drink streift meine Hand den Scan-Bereich des Rechners und der Seat schwenkt aus der halb liegenden in die sitzende Position. Seine Projektoren erwachen aus dem Standby-Modus und füllen drei Wände meiner Kabine mit Holo-Anzeigen. Die Linke gewährt einen Einblick in den Zustand der Sphärenabschirmung – alles im grünen Bereich. In der Mitte ist das fast fertige Energiesparkonzept für die Administration zu sehen, an dem ich letzte Nacht noch gearbeitet habe. Auf dem rechten Holo flackern die hektischen Bilder einer Nachrichtensendung.

»Honey, mach mal lauter.«

Meine krächzende Stimme klingt selbst für mich fremd und meine Kehle fühlt sich an, als hätte ich mit Rasierklingen gegurgelt. Aber meine persönliche KI versteht mich und schaltet den Ton der Live-Übertragung an.

»... sind bei der Überflutung einer der Röhren des Kanal-Tunnels vermutlich hundert Menschen ums Leben gekommen«, spricht ein Reporter aus dem Off, während die verwackelten Bilder von einem Schema des Beförderungssystems ersetzt werden. Am unteren Bildrand läuft der Börsenticker. TubeXpress ist um 20 Punkte runter.

Kein Wunder bei solchen Nachrichten. Welcher Idiot investiert schon in ein Transportsystem, bei dem Menschen sterben – selbst wenn es nur welche sind, die ne Krankheit haben.

Unwillkürlich hebe ich meinen linken Arm, an dem ich den Communicator trage. Das Display erwacht und ich kann die Oxy-App ablesen. Sie zeigt eine Sauerstoffsättigung von 100% an.

Bleib ruhig, Alter. Du bist kerngesund.

Untermalt von einer getragenen Melodie werden auf dem rechten Holo Landschaften angezeigt, die es schon seit über fünfzig Jahren kaum noch irgendwo gibt: weitläufige, üppig grüne Hügel, kilometerlange feinsandige Strände, gesäumt von Palmen, schneebedeckte Berge.

»Sind Sie es leid, Ihr Leben in ständiger Angst vor Krankheiten zu fristen?«, ist eine sonore, väterlich klingende Stimme zu hören. »Sehnen Sie sich nach einem Dasein in einer paradiesischen Umgebung und ohne Kriminalität? Dann sollten Sie über die Aufnahme in die digitale Gesellschaft nachdenken.«

Fuck, schon wieder so ein beschissener Upload-Spot.

»Das ist ja nicht zum Aushalten!«, platzt es aus mir heraus.

Sofort wird der Ton stummgeschaltet.

Honey, du kennst mich eben – auch wenn du nur aus Nullen und Einsen bestehst ...

Ein sanftes Tippen auf dem Handgelenk beendet den Gedanken. Ich schaue auf meinen Communicator. Auch ohne die Nachricht auf der Retina aufzurufen, ist mir klar, worum es geht, denn sie enthält das Wort »Iurii«.

Der große Meister ruft. Dann wird es wohl nix mit Duschen und Umziehen.

* * *

Vor dem Hauptgebäude der Federal Urbanisation Administration bleibe ich kurz stehen, schaue mich um und hole tief Luft. Die Berge ringsum ragen majestätisch in die Höhe, ihre Gipfel kantig und grau, die Hänge bedeckt mit verschiedenen Schattierungen von Grün. Eine leichte Brise vom See dahinter trägt neben dem Summen von Insekten auch einzelne Schreie von Möwen zu mir.

Kaum zu glauben, dass all dies nur durch eine Kuppel aus Metall und Polymeren, Spiegel und ihre Steuerung ermöglicht wird. Und ich kann hoffentlich dazu beitragen, dass das noch lange so bleibt.

* * *

Auf der Dachterrasse angekommen, fühle ich mich angenehm erschöpft und gehe mit einem Lächeln auf Iurii zu.

Der massige, breitschultrige Mann sitzt in einem Hover-Chair, der ihm die Beine ersetzt, die er schon vor einiger Zeit bei einem Unfall verloren hat. Trotzdem ist auf den ersten Blick klar, dass er der Boss ist. Der purpurne Anzug ist eindeutig maßgeschneidert. Aus dem von einer stahlgrauen Mähne umrahmten, kantigen Gesicht blicken grüne Augen mit einer Intensität, die den Eindruck erweckt, sogar die Sphärenabschirmung sprengen zu können. Iurii hebt eine Augenbraue, während sich seine Stirn kurz in Falten legt.

»Maximus. Du weißt aber schon, dass es für so etwas einen Lift gibt, Junge?«

»Jawohl, Master. Es verlangte mich nur spontan nach ein wenig körperlicher Betätigung.«

In diesem Moment dröhnt es hinter mir. Ich drehe mich um und sehe einen Mann aus einem der umliegenden Bogengänge auf die Terrasse kommen. Der Mann ist fast so groß wie ich, wiegt aber wahrscheinlich doppelt so viel. In der Hand hält er einen kristallenen Cognac-Schwenker. Er watschelt an mir vorbei und klopft mir dabei auf die Schulter.

»Wenn ich auch nur eine der fünf Etagen erklommen hätte, dann wäre ich reif fürs Sauerstoffzelt.«

Bist du dir sicher, dass du nicht schon für den ersten Treppenabsatz einen Kran gebraucht hättest?

Ich schaffe es noch rechtzeitig, den Gedanken durch ein leichtes Verneigen zu kaschieren. Es ist nicht sinnvoll, den Prinzipal der Administration zu verärgern.

* * *

Da kann man einen Master in Verfahrenstechnik haben. Aber für den, der alles bezahlt hat, ist man plötzlich der Poolboy.

Als ich gerade die letzten Handgriffe mache, um Iuriis Pool wieder in den makellosen Zustand zu versetzen, den er gewohnt ist, legt mir jemand eine Hand auf die Schulter. Überrascht fahre ich herum und finde mich plötzlich in einer halben Umarmung mit dem Prinzipal wieder.

»Jetzt lass mal die Förmlichkeiten, Söhnchen. Immerhin bist du Master Iuriis Schützling. Und wir sind unter uns.«

Bietet der mir ernsthaft das »Du« an?

»Um noch einmal auf vorhin zurückzukommen«, raunt er in mein Ohr. »Es stimmt doch, dass du gern mal einen durchziehst.«

Er schaut mich mit blitzenden Augen und einem verschlagenen Lächeln an. Dann hebt er etwas hoch genug, dass es in mein Blickfeld gelangt.

»Du weißt, was das ist?«

Das weiß doch jedes Kind. Ein Oxy. Ein Pulsoxymeter.

»Ja und nein. Du hast leider nur fünfzig Punkte.«

Ich schaue Ridicc mit gerunzelter Stirn an, innerlich auf der Suche nach der Antwort, die er von mir haben will.

»Das, was dir die restlichen 50 Punkte eingebracht hätte, kannst du gar nicht wissen. Das wissen im Moment nur 5 Personen in dieser Sphäre.«

Er reicht mir das Gerät. Ich drehe es in den Fingern. Bis auf einen Schlitz an der Unterseite ähnelt es vollkommen dem, was jeder Bürger der Sphären in der Tasche hat. Dann schiebt er einen Speicherkristall in den Schlitz.

Der Effekt tritt augenblicklich ein.

Während die ersten Auswirkungen durch meinen Körper fegen, wird mir instinktiv klar, dass diese Entscheidung ein Fehler war.


SZENE 1

#theresnoplace like 127.0.0.1 (Teil)


DIGITALE WELT  ·  SPORTING_LIFE

Trainingszentrum

Zeitindex 08052121_1000 – 1100

MJU


Ich schwitze. Eine Haarsträhne hat sich aus dem Pferdeschwanz gelöst und klebt mir so im Gesicht, dass sie mein linkes Auge halb verdeckt. Trotzdem kann ich den Mann hinter mir in einem Spiegel erkennen.

Er hat seinen Größenvorteil genutzt und mir den rechten Arm um den Hals geschlungen, einen entschlossenen, konzentrierten Ausdruck auf dem ebenfalls verschwitzten Gesicht. Ohne diesen Gesichtsausdruck sähe er direkt nett aus. Fast schon süß mit seinem dunkelblonden Wuschelkopf, dem kleinen Grübchen im Kinn und den Dackelblick-Augen. Auch die Größe würde passen.

Was soll das? Konzentrier dich, du bist hier nicht beim Dating.

Meine linke Faust hämmert zwei Mal zwischen seine Beine. Der Griff um meine Kehle lockert sich, als er sich instinktiv zusammenkrümmt. Ich nutze es, um mich zu drehen und den Ellenbogen rückwärts hochfahren zu lassen. Er findet sein Ziel an Kyles Unterkiefer. Nun bin ich endgültig frei, fahre im Aufrichten vollkommen herum und steche ihm zwei Finger in den Hals.

Muss das jetzt wirklich sein? Er sieht doch auch so schon aus, wie ein Häufchen Elend.

Aber die Technik-Einheit verlangt noch eine letzte Handlung und halbe Sachen sind nicht mein Ding. Also schwinge ich ein Bein nach oben und trete ihm ein weiteres Mal in den Schritt.

Mein zugeloster Sparringspartner kippt zur Seite und bleibt zusammengekrümmt auf dem Boden des Sportzentrums liegen.

»Wow, wie ... hast du das gemacht, Mju?«, krächzt er nach einer Weile.

Verdammt. Bin ich vielleicht doch nicht in einem Krav Maga Level-3-Kurs gelandet? Hat mich die App aus Versehen einem Anfänger zugeteilt?

»Alles klar bei dir?«, frage ich, während ich Kyle die Hand hinstrecke. »Und ... was meinst du?«

»Na, dieser Ellenbogen, wo ist der hergekommen? Ich hab nix geschnallt, bis du mich getroffen hast.«

»Ich habe einfach nur die Anweisungen der Lektion befolgt.«

»Aber diese Geschwindigkeit. Wie bekommst du das hin?«

»Ich übe.«

Der Besiegte legt den Kopf schräg. »Glaubst du, ich nicht? Ich hab mir sämtliche Lektionen des dritten Abschnitts schon vor einer Woche hochgeladen.«

Hochgeladen.

Es kommt mir so vor, als würde das Wort in meinem Innern ein Echo erzeugen. Auch wenn es schon einige Monate her ist, dass ich selbst hochgeladen wurde, so kann ich immer noch nicht das Gefühl dabei vergessen. Wenn Körper und Geist sich in Daten und Algorithmen verwandeln, dann ist da eben dieser kurze Moment, wo der digitale Avatar noch nicht bereit dazu ist, ein Feedback zu geben. Eigentlich nur ein paar Mikrosekunden. Doch für mich war es wie die Ewigkeit.

Unwillkürlich schüttele ich meinen Kopf, um die sich anschleichenden Bilder zu vertreiben.

»Hochgeladen. Genau da ist das Problem.«

»Es geht nicht um die Zeit seit dem Upload, sondern darum, dass du einfach darauf vertraust, dass die Algorithmen der Datei, die du dir reingezogen hast, schon dafür sorgen, dass du alles richtig machst.«

»Und wie soll das sonst gehen?«

»Sagte ich doch. Mit Üben.«

»Das ... das ist doch ... total analog.«

Du sagst es, Baby.

»Aber es funktioniert.«

* * *

Im Licht einer warmen Spätsommersonne liegt die Hauptstraße vor mir. Die Straße windet sich an einem rot umrandeten rechteckigen Schild vorbei, auf dem, Schwarz auf Weiß, »Le Village« geschrieben steht. Dann verliert sie sich zwischen den Häusern des Dorfes. Die meisten sind aus Natursteinen errichtet oder haben Fachwerkwände.

Ich schlendere über die mit Kopfsteinpflaster bedeckte Straße, vorbei am Bäcker und Gemüsehändler. Dabei sauge ich den Geruch des frischen Backwerks, vermischt mit dem Aroma der am offenen Fenster zum Trocknen aufgehängten Gewürze, ein.

Danke Mamie, dass du so unermüdlich daran gearbeitet hast. Es wirkt alles so dermaßen echt. Nein, verdammt. Es ist echt. Wird Zeit, dass ich das akzeptiere.

Hinter dem Dorfkrug erklimme ich einen steilen Pfad den Hügel hinauf, der mich zu unserem Heim führt, das direkt unterhalb einer halb verfallenen Burg erbaut worden ist. Bevor ich das viktorianisch anmutende Gebäude betrete, werfe ich noch einmal einen Blick auf das Tal, in dem das Dorf angesiedelt ist. Insekten summen um mich herum. Eine leichte Brise trägt den Duft von Lavendel heran. In der Ferne kann ich den Schrei eines Falken vernehmen.

Lächelnd wende ich mich um und öffne die Tür.

* * *

»Hallo, Mamie«, rufe ich, nachdem ich eingetreten bin. »Wartest du schon lange?«

Keine Antwort.

Nach einem kurzen Abstecher in die Bibliothek wende ich mich in Richtung Arbeitszimmer. Bücher stapeln sich neben dem Schreibtisch – selbst auf den beiden vor dem Fenster aufgestellten Ohrensesseln liegen sie. Modelle verschiedenster Dinge stehen hie und da herum. Die weiß gekalkten Wände sind kaum noch erkennbar unter einem Wust von daran angehefteten Papieren mit Skizzen oder handschriftlichen Notizen.

Doch von Alma ist nichts zu sehen. Dort, wo sie gesessen hätte, liegt ein einzelnes Blatt Papier auf der Schreibtischoberfläche.

Ich nehme den Bogen an mich. In den typischen leicht uneinheitlichen Zeichen, die doch eigentlich ziemlich untypisch für eine Person von so analytischem Wesen sind, hat sie eine Nachricht hinterlassen:


Ma chère Muriel,

nachdem es mir endlich gelungen ist, unserem Ziel näherzukommen, musste ich leider feststellen,

dass mir die letzte Zeit ohne Schlaf durchaus zu schaffen macht.

Daher werde ich mich gleich offline begeben, um ein wenig Kraft zu tanken.

Das Essen habe ich bereits zubereitet und dir in dein Atelier gestellt.

Du solltest dich wirklich wieder einmal um deine Kunst kümmern.

À bientôt, Alma


Ein erleichtertes Seufzen entfährt mir. Dann verlasse ich voller Vorfreude das Arbeitszimmer –

– vorbei an der Tür, auf der in ihrer Handschrift sanft pulsierend das Wort »Offf« leuchtet.

Ach, Mamie. Du musst wirklich ziemlich fertig sein, wenn dir sogar schon Schreibfehler unterlaufen.



Die Geschichte geht weiter.

OFFF – Die Droge könntest du sein

Band 1 der Spherope-Trilogie


OFFF – FAQ
Spherope-Trilogie · Band 1

Fragen zu OFFF

Spoilerfrei – alles, was du vor der Lektüre wissen möchtest.

Setting & Welt

Der Roman spielt im Jahr 2121 und ist hauptsächlich in einer zukünftigen Version von Genf angesiedelt – sowohl in deren analoger Form innerhalb einer Schutzkuppel als auch in der digitalen Entsprechung dieser Stadt.

Die Sphären sind abgeschlossene, durch Metall- und Polymerkuppeln sowie Spiegelsysteme geschützte Habitate, in denen die analoge Menschheit lebt. Sie sind in verschiedene Stufen unterteilt, die stark unterschiedliche Lebensqualität und gesellschaftlichen Status bedeuten.

Wer die nötigen Mittel hat, kann sich digitalisieren lassen: Körper und Geist werden in Daten umgewandelt und in einer vollständig simulierten Welt weitergelebt. Digitale Bürger altern nicht und können nach eigenem Wunsch leben – allerdings zahlen sie dafür mit der Aufgabe ihres physischen Körpers und sind von der analogen Welt weitgehend getrennt.

Offf ist eine neue, im Roman entwickelte Substanz, deren genaue Wirkung und Zusammensetzung ein zentrales Geheimnis der Geschichte ist. Sie steht im Mittelpunkt des Hauptkonflikts und ist mit den Machtstrukturen beider Welten eng verknüpft. Der Titel deutet dabei an, dass die eigentliche Sucht nicht unbedingt eine Substanz sein muss.

Ja. Die Währung heißt DiC (Digital Credit) und gilt sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt. Sie ist Grundlage wirtschaftlicher Macht und sozialen Aufstiegs – wer keine DiCs hat, lebt in den äußeren Sphären unter schwierigen Bedingungen.

Figuren

Es sind die beiden Ich-Erzähler:innen des Romans. MAXX ist ein Mann, der in der analogen Welt lebt und für eine Verwaltungsbehörde arbeitet. MJU ist eine Frau, die freiwillig in der digitalen Welt lebt und dort als Künstlerin tätig ist. Beide haben komplexe Hintergründe, die sich im Verlauf der Geschichte Stück für Stück enthüllen.

Nein. Sie starten in völlig getrennten Welten und Handlungssträngen. Die Art und Weise, wie ihre Wege sich annähern und schließlich kreuzen, gehört zu den zentralen Spannungsbögen des Romans.

Honey ist MAXXs persönliche KI-Assistentin. Auch wenn sie am Anfang als technisches Hilfsmittel erscheint, erweist sie sich im Verlauf des Romans als eine der interessantesten Figuren – mit weit mehr Tiefe und Eigenständigkeit, als man zunächst erwarten würde.

Alma, die MJU liebevoll Mamie nennt, ist MJUs Großmutter. Sie ist eine der sogenannten Ersten – jene Personen, die an der Schaffung der digitalen Welt beteiligt waren und dadurch besonderen Status und besonderes Wissen besitzen.

Ja, obwohl die Machtstrukturen im Roman vielschichtig sind. Es gibt eine Figur, die als Hauptgegner der Protagonisten fungiert und als treibende Kraft hinter dem zentralen Konflikt erkennbar wird.

Leseerlebnis

Nicht zwingend. Das Buch hat starke Charakterzeichnungen und Themen rund um Identität, Abhängigkeit und Beziehungen, die unabhängig vom Sci-Fi-Setting funktionieren. Die technologischen Konzepte werden im Text selbst eingeführt und erklärt.

Beides. Es gibt actionreiche Sequenzen, vor allem im letzten Drittel. Davor überwiegen jedoch Figurenentwicklung, Weltenbau und die schrittweise Enthüllung des Mysteriums. Der Roman nimmt sich Zeit, seine Figuren aufzubauen.

Der Ton variiert je nach Perspektive. MAXX erzählt mit trockenem Humor und Sarkasmus. MJU ist introspektiver und emotionaler. Insgesamt ist der Roman trotz seines dystopischen Settings nicht hoffnungslos – er hat immer wieder Momente von Wärme, Witz und echter menschlicher Verbindung.

Der Hauptkonflikt des ersten Bandes wird zu einem befriedigenden Abschluss gebracht. Gleichzeitig wird am Ende eine neue Situation eingeführt, die direkt in die Fortsetzung führt – der Roman macht also neugierig auf den zweiten Band.

Ja. Die Geschichte hat eine eigene, abgeschlossene Handlung. Figuren und Konflikt sind vollständig aufgelöst. Wer mehr möchte, findet mit den zwei Folgebänden genug Stoff.

Themen

Unter anderem soziale Ungleichheit (das Sphärensystem als Abbild heutiger Klassen), die Frage nach KI-Autonomie und Persönlichkeitsrechten, den Körper als Handelsware, Sucht als gesellschaftliches Phänomen und die Frage, was eine Person ausmacht, wenn die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt.

Er ist mehrdeutig. Er verweist auf die Substanz Offf, deutet aber gleichzeitig auf die Art von Anziehung hin, die Menschen füreinander entwickeln können – eine Verbindung, die ebenso süchtig machen kann wie eine chemische Substanz.

Ja, sehr. Sowohl Honey als auch Leonardo, MJUs KI-Assistent, sind prominent im Roman und werden nicht als einfache Hilfsmittel behandelt. Der Roman fragt implizit, ob und wann eine KI aufhört, ein Werkzeug zu sein, und zu einer eigenständigen Entität wird.

Es gibt menschliche Verbindungen und emotionale Nähe zwischen Figuren – ob und wie diese sich entwickeln, gehört zu den angenehmen Überraschungen des Romans. Der romantische Aspekt ist subtil eingewoben, nicht dominant.

OFFF – Die Droge könntest du sein · C. A. Raaven · Band 1 der Spherope-Trilogie

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